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Etikettenwandel
"In Darmstadt leben die Künste" - mit diesem Slogan charakterisiert sich die Stadt schon seit Jahren selbst. Aber was heißt hier "leben"? Das kulturelle Ambiente Darmstadts winkt eher aus der Vergangenheit zu uns herüber. Barocke Prunkbauten aus dem 18. Jahrhundert, als die Stadt großherzogliche Residenz war: das Schloss im Zentrum, das alte Renaissance-Rathaus am Marktplatz gegenüber, die vielen über das ganze Stadtgebiet verteilten Parks und Grünanlagen mit ihren barocken Pavillons und kleinen Schlösschen. Oder aber die architektonischen Perlen des Jugendstil auf der Mathildenhöhe - gewagt, fortschrittlich, ja sogar revolutionär, damals, vor hundert Jahren.
Heimliche Software-Hauptstadt
Zur Charakterisierung der Gegenwart oder auch der Perspektiven Darmstadts gibt das alte Etikett aber nicht mehr viel her. Das neue, zweite Signum der Stadt trifft da sehr viel griffiger ihr jetziges Image: "Wissenschaftsstadt Darmstadt". Die Liste der Wissenschaftseinrichtungen vor Ort ist lang. Obenan die Technische Universität und die Fachhochschule Darmstadt, dann die vielfältigen öffentlichen und privaten Forschungsinstitute und natürlich auch die zahlreichen forschungsintensiven Firmen, die hier ihren Sitz haben.
Mittlerweile wird die Stadt als "heimliche Software-Hauptstadt Deutschlands" gehandelt: In den letzten Jahren haben sich zunehmend Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie in Darmstadt und seiner Umgebung angesiedelt. Nicht zuletzt weil sie hier unter den Absolventen der Hochschulen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden können.
Mut und Forscherdrang
Das Profil Darmstadts als Mekka des Fortschritts ist gar nicht mal so neu. Bereits vor über 150 Jahren wurde hier die "höhere technische Bildung" fest etabliert. Zwar war zu jener Zeit das Land so arm, dass immer wieder in Frage stand, ob es sich eine Technische Hochschule überhaupt leisten kann. Aber immer wieder brachten Forscherdrang und Wagemut die Rettung: Neue Lehrstühle und Fachabteilungen wurden geschaffen und zogen neue Ströme von Studenten in die Stadt. So etwa Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Aufbau der Fakultät Elektrotechnik, der ersten in Deutschland. Und bereits 1913 wurde ein Lehrstuhl für Luftschifffahrt und Flugtechnik eingerichtet. Aufbruchstimmung, Neugier, Entdeckerdrang. Auf solch einem Humus entstehen zukunftsweisende Konzepte. Darmstadt ist das beste Beispiel dafür. Einst, als Hochburg der Jugendstilbewegung, und jetzt, als Zentrum innovativer Forschung.
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