Weihnachtsmarkt mit Ständen
Weihnachtsmarkt mit Ständen© Study in Germany Bildbeschreibung öffnen

O Du fröhliche, o Du selige!

„O Du fröhliche, o Du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“, so beginnt eines der beliebtesten deutschen Weihnachtslieder. Und in der Tat ist die Weihnachtszeit in Deutschland beides: ausgelassen und besinnlich.

Das Weihnachtsfest

Zu Weihnachten feiern Christinnen und Christen in der ganzen Welt die Geburt Jesu Christi, den sie als Gottes Sohn betrachten und verehren. Doch das Weihnachtsfest ist in Deutschland (wie auch in anderen christlich geprägten Gegenden der Welt) weit mehr als nur ein religiöses Datum. Obwohl weniger als die Hälfte der Menschen in Deutschland der katholischen oder einer evangelischen Kirche angehören, ist Weihnachten einer der Höhepunkte des Jahres, den das ganze Land mit Hingabe feiert.

 

Weihnachtsleckereien

Die Menschen in Deutschland lieben das Fest so sehr, dass ihre Vorfreude bereits Monate vorher beginnt: Schon im Herbst tauchen die ersten Weihnachtsleckereien wie Lebkuchen, Dominosteine oder Christstollen in den Regalen der Supermärkte auf.

Weihnachtsgebäck
Weihnachtsgebäck© Study in Germany Bildbeschreibung öffnen
  • Ohne Gebäck kein Weihnachten – Deutschland hat jede Menge süß-würziger Spezialitäten zum Fest. Seit vielen Jahrhunderten bekannt und beliebt sind Lebkuchen, kompakte und mit vielen aus der herzhaften Küche bekannten Gewürzen aromatisierte Honigküchlein. Ebenfalls bereits im Mittelalter bekannt war der Stollen, ein mächtiger buttriger Hefeteiglaib voller Rosinen und Stücken aus kandierten Orangen- und Zitronenschalen. Seit dem 18. Jahrhundert isst man Spekulatius, herzhaft gewürzte Mürbeteigkekse. Aus Mürbeteig sind auch die meisten Weihnachtsplätzchen.

Advent: Der Countdown zum Fest

Die heiße Phase beginnt mit dem ersten Advent. Das ist der Sonntag vier Wochen vor Weihnachten. Die Adventszeit ist gewissermaßen der Countdown zum Fest. Viele stellen in ihrer Wohnung oder am Arbeitsplatz einen Adventskranz aus Tannengrün mit vier Kerzen auf. Diese vier Kerzen symbolisieren die Wochen bis Weihnachten – in der ersten Adventswoche brennt nur eine, in der zweiten zwei und so weiter. Der Adventskranz ist eine deutsche Erfindung. Den ersten hängte der evangelische Seelsorger Johann Heinrich Wichern 1839 in Hamburg auf. 100 Jahre später hielt der Kranz Einzug in katholische Haushalte im Rest des Landes.

Ein anderer Adventsbrauch sind die Adventskalender, die viele Deutsche zu Hause für ihre Kinder oder auch Freunde und Freundinnen aufhängen. Vom 1. bis zum 24. Dezember halten sie jeden Tag ein kleines Geschenk oder eine Nascherei bereit, die die Vorfreude und Spannung auf das Fest versüßen soll.

Weihnachtsmarkt in Bonn
Weihnachtsmarkt in Bonn© Study in Germany Bildbeschreibung öffnen

Vorweihnachtsfreude auf den Plätzen der Städte

Was viele nicht wissen: Mit dem ersten Advent endet eine Zeit der Stille und des Gedenkens. Denn am Volkstrauertag und am Toten- oder Ewigkeitssonntag im November gedenkt man zuvor in Deutschland der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Umso heller wird es im Advent: Im ganzen Land werden in den Straßen der Städte und Dörfer Festbeleuchtungen und Girlanden angebracht und Weihnachtsmärkte aufgebaut.

 

Deutsche Weihnachtsmärkte

Für diese winterlichen Weihnachtsmärkte mit ihren hölzernen Verkaufshütten ist Deutschland weltberühmt. Vor allem in alten Städten wie Nürnberg („Christkindlesmarkt“), Köln und Lübeck haben sie eine lange Tradition und ziehen hunderttausende Besucherinnen und Besucher von Nah und Fern an, doch auch in kleineren Städten sind sie zu finden.

Weihnachtsfans lieben den klassischen Geruch auf diesen Märkten: Es duftet nach Punsch, Tee und Glühwein, süßen Leckereien und deftigen Spezialitäten aus Kessel, Pfanne und vom Grill.

Weihnachtsmärkte sind in erster Linie ein Ort der Geselligkeit. Menschen kommen nach Feierabend mit Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen zusammen, Studierende mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, Freundeskreise treffen sich zu Gespräch und Genuss. 

Weihnachtsmärkte sind in erster Linie ein Ort der Geselligkeit.

Räuchermännchen
Räuchermännchen© Study in Germany Bildbeschreibung öffnen

Weihnachtliche Dekoration

Außerdem bieten viele Verkaufsstände weihnachtliche Dekoration für zu Hause an. Die Herstellung von hölzernen Figuren und Krippen, von Weihnachtspyramiden und sogenannten „Schwibbögen“ sowie filigranen Kugeln und Schmuckstücken haben vor allem in den Gebirgsregionen Sachsens, Thüringens und Bayerns eine lange Tradition. Von dort werden sie in die ganze Welt exportiert. Die deutsche Weihnachtsindustrie ist inzwischen so groß, dass ihre Produkte das ganze Jahr über in speziellen Läden zu finden sind.

Wie gesellig die Menschen in Deutschland sind, zeigt sich gerade im November und Dezember deutlich: Nahezu jede Firma und jeder Verein veranstaltet eine eigene Weihnachtsfeier. Auch in Wohngemeinschaften und Studierendenwohnheimen gibt es häufig fröhliche Feste.

Was Ayo über die Weihnachtszeit in Deutschland denkt und was für ihn neu war, liest du in seinem Interview.

Weihnachtsbaum an Heiligabend
Weihnachtsbaum an Heiligabend© Study in Germany Bildbeschreibung öffnen

Feiern im Kreis der Liebsten

Danach kehrt Ruhe ein – das Weihnachtsfest selbst feiern die meisten Deutschen ganz privat, im Kreis von Freunden und Familie. Wie Maria und Josef in der biblischen Weihnachtsgeschichte aus Nazareth zur Volkszählung nach Bethlehem, so zieht es viele Menschen, auch wenn sie selbst schon Kinder haben, zurück in ihre Heimatstädte und -dörfer, um in möglichst vollständigem Familienkreise zu feiern. Ansonsten quirlige und lebendige Universitätsstädte sind auf einmal ruhig und leer.

Anders als in Großbritannien oder den USA, wo die Feiertage erst mit dem 25. Dezember beginnen, gilt in Deutschland der Heilige Abend am 24. Dezember als weihnachtlicher Haupttermin: Zu diesem Anlass steht der festlich geschmückte Weihnachtsbaum und es findet die „Bescherung“ statt – das Beschenken der Liebsten. In christlichen Familien steht oft auch ein Gottesdienstbesuch auf dem Programm.

 

Der Festtagsschmaus: Zeit für gutes Essen

Am Vormittag des 24. Dezember haben die Geschäfte in Deutschland noch geöffnet, viele Menschen müssen noch arbeiten und die Vorbereitungen für das Fest laufen bis zur letzten Minute. Deshalb ist es in manchen deutschen Familien Tradition, dass an Heiligabend ein einfaches Essen auf den Tisch kommt, das sich gut vorbereiten lässt. Erst an den folgenden beiden Feiertagen ist dann Zeit für die aufwändigen Festspeisen. Für viele gehört die gebratene Gans mit Rotkohl und Klößen unbedingt zu Weihnachten, bei anderen kommen Wildbraten auf die Festtagstafel und nicht wenige im Norden freuen sich über die dortige Winterspezialität Grünkohl mit reichlich Wurst und Pökelfleisch. Beliebt sind auch gesellige Mahlzeiten wie Raclette oder Fondue.

Und nach dem Fest?

Die Rückkehr ins „normale“ Leben geht in Deutschland langsam vonstatten. Die Tage bis zum Jahreswechsel nennt man „die Zeit zwischen den Jahren“. Geschäfte sind an Werktagen geöffnet, doch ansonsten herrscht weitgehend Ferienlaune. Am meisten Zeit nimmt man sich für Weihnachten und den Jahreswechsel im Süden und Südwesten: Erst nach dem Dreikönigstag am 6. Januar beginnt dort das neue Jahr so richtig.

Mit vielen guten Wünschen geht es ins neue Jahr. Im Familien- und Freundeskreis sowie auf der Arbeit wünscht man sich ein „Frohes Neues“ – eine Floskel, die übrigens bis Mitte Januar als zeitgemäß empfunden wird. Von da ab ist es nur noch ein Dreivierteljahr hin, bis Weihnachtsgebäck und Dominosteine wieder in die Läden einziehen.

Passend zum Thema

Brot mit Obazda Aufstrich

Deutsche Küche

Hello Lieblingsessen

Learn more
Auf dem Oktoberfest

Oktoberfest

Weißbier, Achterbahnen und ganz viele Menschen

Zum Beitrag

Deutschland entdecken