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Festivals in Deutschland: Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

2020 und 2021 mussten die meisten Musikfestivals in Deutschland coronabedingt abgesagt werden. Doch viele Musikfans hoffen, dass sich das wieder ändert: Denn was ist schon ein Sommer ohne Rock am Ring, Hurricane oder Wacken? Wir erklären den besonderen Reiz von Festivals und stellen drei interessante Beispiele vor.

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Was Festivals in Deutschland so unvergesslich macht

Es gibt kaum eine Gegend in Deutschland, die nicht ihr eigenes Musikfestival hat. Solche Veranstaltungen haben eine lange Tradition. Einige der ältesten Feste stammen aus den 1920er-Jahren. Doch auch die neueren Events werden schnell zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens einer Region.

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  • Die meisten Festivals finden im Sommer und als Open-Air-Veranstaltung statt. Die Monate Juni, Juli und August sind dabei Hochsaison. Bei der Auswahl des Geländes sind die Veranstaltenden erfinderisch: Mal wird ein Teil einer Formel-1-Strecke genutzt, mal ein Flugplatz, mal der Acker eines Bauernhofs.

  • Jedes Festival in Deutschland hat sein eigenes Konzept und seinen eigenen Charakter. Es gibt eine große Vielfalt an Musikstilen und kulturellen Angeboten. Die Genres reichen von Barock und Klassik über Jazz, Folk, Blues bis hin zu Pop, Rock und Elektronischer Musik.

  • Viele Festivals bieten neben Konzerten auch ein Kunst- und Kulturprogramm und eine Auswahl an kulinarischen Spezialitäten. So gibt es zum Beispiel Theateraufführungen, Performances, Ausstellungen, Kino, Handwerkskunst, Schmuckstände und Food Trucks.

  • Auf einem Festival kannst du den gesamten Tag draußen verbringen, Musik hören und tanzen. Wenn es dunkel wird, beginnt eine andere Stimmung. Auf vielen Festivals sieht man Fans, die ihre eigene Lichtinstallation gebastelt haben, zum Beispiel mit Lichterketten und einem Regenschirm. Die Kreativität ist grenzenlos.

Der Besuch eines Festivals bietet sich vor allem in der vorlesungsfreien Zeit im Sommer an. Die Konzerte sind eine willkommen Abwechslung zum Hochschulalltag. Auch einige Hochschulen organisieren ihre eigenen Festivals – eine Möglichkeit für dich, dich an deiner Hochschule zu engagieren, Leute kennen zu lernen und eine weitere schöne Erfahrung mit nach Hause zu nehmen.

Du merkst: Jedes dieser Events ist einzigartig. Deshalb wird es zu einer ganz besonderen und kostbaren Erinnerung in deinem Leben, wenn du sagen kannst: Ich war dabei.

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Zum Abheben: Fusion Festival

Raus aus dem Alltag in Mecklenburg-Vorpommern

Seit 1997 findet „die Fusion“ jedes Jahr auf dem ehemaligen russischen Militärflughafen Lärz in der Nähe des Müritzsees etwa 100 Kilometer von Berlin statt. Dann entsteht hier eine kleine Welt fernab vom Alltag. Für ein Wochenende kommen um die 70.000 Menschen zusammen und verwandeln den alten Flughafen in einen ganz eigenen „Kulturkosmos“ – so heißt auch der Verein, der das Festival organisiert.

Die Fusion ist ein unkommerzielles Festival. Es wird viel Wert auf Toleranz und auf die Umwelt gelegt. So gibt es zum Beispiel nur vegetarische und vegane Speisen und keine Werbung auf dem Festivalgelände. Das Publikum sowie die Künstlerinnen und Künstler sind international.

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  • Auf rund 24 Bühnen und Decks wird eine große Bandbreite an elektronischer Musik gespielt, außerdem gibt es Hip-Hop, Jazz, Reggae, Goa, Ska und Rock, Punk, Metal, Dancehall und Trance.

  • Neben der Musik lockt ein vielfältiges Kulturprogramm mit einem Kino, Lesungen und Diskussionsrunden, Kabarett und Hörspielen sowie Theater und Performance-Kunst.

  • Da die Fusion Gäste aus der ganzen Welt anlockt, finden viele Veranstaltungen auf Englisch statt.

  • Die Fusion ist ein Open-Air-Festival, es gibt aber auch überdachte Bühnen. Die alten Hangars des Flughafens werden genutzt und Zirkuszelte aufgebaut, so dass auch bei schlechtem Wetter Konzerte stattfinden können.

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In der Straßenbahn übers SNNTG-Festival

Gemütlich feiern in Sehnde

In einem Straßenbahnmuseum in der Nähe von Hannover wird das SNNTG-Festival veranstaltet. Um vom einen Teil des Geländes zu dem anderen zu gelangen, fährt man mit einer historischen Straßenbahn. Wenn man Glück hat, findet dann sogar in der Bahn gerade ein Konzert statt.

Bands kamen in der Vergangenheit etwa aus Polen, Frankreich und England. Die Musik ist abwechslungsreich. Eine Bühne ist für Hip-Hop, Funk und Soul bestimmt, eine für Indie, Rock und Pop und die dritte Bühne wird mit elektronischer Musik bespielt.

Die Bühnen sind alle draußen und über das Gelände des Museums verteilt. Man findet alte Straßenbahnen und Busse, die dekorativ in das Gesamtbild des Festivals integriert sind. Es gibt eine Halle mit Ausstellungen, Installationen und Platz zum Sitzen. Man kann seine eigene Tasche bemalen, Volleyball spielen oder einen Kaffee im Straßenbahncafé genießen.

Die Festivalplanung legt sehr viel Wert auf die Förderung von Kultur und auf lokale Kooperationen, etwa mit dem Studierendenwerk der Hochschule oder mit Initiativen wie Viva con Agua und Amnesty International.

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Familiäre Atmosphäre: „Immergut“

Musik, Worte und Fußball in Mecklenburg-Vorpommern

„Immergut“ – das klingt, als solltest du unbedingt einmal dabei sei. Seit 2000 findet dieses Festival meist am letzten Maiwochenende in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern statt.

Neben drei Musikbühnen gibt es auch eine Wortbühne, wo über verschiedene Themen diskutiert wird. Teil des Festivals ist außerdem das traditionelle „Immergutzocken“: Dahinter verbirgt sich ein Fußballturnier auf den angrenzenden Fußballplätzen des Geländes, bei dem die Gäste nach einer Qualifikation gegen die Organisationsrunde, Vertreterinnen und Vertreter der Medien und Bands anzutreten.

Hinter dem Festival steht der ehrenamtliche Verein immergutrocken e.V., der von einem eingeschworenen lokalen Freundeskreis gegründet wurde und die musikalische Vielfalt im Land Mecklenburg-Vorpommern fördern will. Das Festival hat eine familiäre Atmosphäre und wird bewusst auf maximal 5.000 Gäste beschränkt.

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